Alternative Wohnformen im Alter – ein Beispiel Alternative Wohnformen im Alter – ein Beispiel
17/07/2013 10:21 Keine Kommentare


Wenn man alt und weniger beweglich wird, kann das Leben in der bisherigen Wohnung zu beschwerlich werden. Abseits klassischer „Altersheime“ entwickeln sich nach und nach neue Wohnformen für Seniorinnen und Senioren, oft generationenübergreifend, also zusammen mit jüngeren Familien in barrierefreien und gut betreubaren Einrichtungen.

Sowohl private Initiativen als auch die öffentliche Hand haben diesen Trend aufgenommen.

Grundsätzlich wird zwischen Wohnprojekten, die auf die Zielgruppe Senioren abzielen sowie
generationenübergreifenden Wohnprojekten unterschieden. Das Interesse an solchen Wohnformen hat in den letzten Jahren, nicht zuletzt aufgrund unbefriedigender Lösungen und Skandalen im Pflegeheimbereich, stark zugenommen. Die Zahl der realisierten Projekte ist jedoch noch relativ klein.

Wir wollen Ihnen in diesem Newsletter ein interessantes Wohnprojekt aus Österreich vorstellen.

Die Gemeinschaft B.R.O.T. (Beten - Reden - Offensein - Teilen), ein generationenübergreifendes Projekt, wurde ursprünglich auf Initiative eines Pfarrers gegründet, der die soziale Einsamkeit seiner Schäfchen erkannte und mit dieser einzigartigen und neuen Idee den Zusammenhalt und die soziale Verantwortung innerhalb seiner Gemeinde stärken wollte. Daraus entstand, ein, nach den Grundsätzen des selbstbestimmten und partizipativen Wohnens, ausgerichtetes Projekt.

Die Facetten von B.R.O.T. sind zahlreich. Beginnend mit der gemeinsamen Planung der baulichen Gegebenheiten - ein Prozess der aufgrund der Vielfalt der Meinungen, Wünsche und Erwartungen nicht immer einfach war -  bis hin zum tatsächlichen gemeinsamen Wohnen, sowie intensiver Nachbarschaftshilfe und das Übernehmen von Aufgaben innerhalb der Gemeinschaft, je nach persönlichen Fähigkeiten des Einzelnen. Das bewirkt nicht nur einen starken Zusammenhalt der dort Wohnenden, es gibt auch besonders älteren Menschen die Möglichkeit, ihren Beitrag zu einem guten gelingen der Gemeinschaft zu leisten. Dies wiederum hält Einsamkeit und das Gefühl, „nutzlos“ geworden zu sein, hintan.

Man könnte diese Form des Zusammenlebens vielleicht als die „Großfamilie der westlichen Welt“ bezeichnen. Jedenfalls aber ganz sicher als eine Wohnform der Zukunft, denn unsere Gesellschaft besteht neben älteren einsamen Menschen auch aus jungen und weniger jungen einsamen Singles sowie aus Kleinstfamilien ohne Großeltern, Tanten und Onkel.

Obwohl der Ansatz ein christlicher ist, wohnen auch „Andersgläubige“ bei B.R.O.T.. Ein respektvoller Umgang miteinander lassen das Zusammenleben gelingen. Ein echtes „multikulturelles“ Projekt, als eine Brücke zwischen den Generationen und Kulturen, ist in einem anderen Teil Wiens bereits in der Planungsphase.

Ist diese exklusive Wohnform anderswo oft nur besser situierten Personen vorbehalten, wollen bei den (mittlerweile mehreren) B.R.O.T.- Projekten die Beteiligten auf der Basis einer christlichen Spiritualität gemeinschaftlich wohnen. „Alte und Junge, Gesunde und Kranke, Arme und Wohlhabende wollen Freud und Leid miteinander teilen und tragen“, ist ihr Motto. Um dies auch realisieren zu können, gibt es eine Selbstbesteuerung der Mitglieder und einen beachtlichen Solidaritätsfonds.

Dennoch ist die Unterstützung der öffentlichen Hand, auch für künftige Projekte dieser Art, unerlässlich. Spezielle Fördergelder aus dem öffentlichen Wohnbaubudget (in Hamburg sind es beispielsweise 15%) sowie Bonitätserleichterungen (sprich neue, initiativenfreundliche Finanzierungsformen gepaart mit neuen Formen der Sicherstellungen / Bürgschaften) wären hier gute Möglichkeiten.

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