Im Raum der Sinne Im Raum der Sinne
02/09/2013 13:35 Keine Kommentare


Gedämpftes farbiges Licht umhüllt den Eintretenden, bunte grafische Bilder erscheinen wie durch Zauberhand an den Wänden, das Auge folgt staunend diesem Schauspiel. Ein großes Wasser-Klangbett lädt dazu ein, sich hinzulegen und zu entspannen. Die Schwingungen der Musik übertragen sich auf den Körper und tiefe Entspannung breitet sich aus. Zarte, fast sphärische Klänge umschmeicheln das Ohr. Verschiedene Duftöle und Gewürze laden neugierige Nasen ein, daran zu schnuppern oder gar zu kosten, eine Salz-Lampe spendet weiches Licht. Verschieden geformte Gegenstände aus Holz erwecken das Bedürfnis, sie zu berühren. Über ihre gedrechselte und glatt polierte Oberfläche zu streichen, erzeugt ein angenehm prickelndes Gefühl in der Handinnenfläche, das unwillkürlich ein erstauntes Lächeln auf das Gesicht des Besuchers zaubert.

 

Vermutlich haben Sie nun den Eindruck, sich in einer Wellness Oase oder einem fernöstlichen Urlaubsdomizil zu befinden. Tatsächlich jedoch ist das oben beschriebene Zauberreich ein so genannter Sinnesraum. Unter dem Begriff Snoezelen ist er in Deutschland und Holland bereits bekannt und wird zunehmend in Altenheimen eingesetzt. Die fünf Sinne werden durch bewusstes Erleben von Sehen, Hören, Tasten, Riechen und Schmecken unmittelbar angesprochen und aktiviert. Sich im Snoezelen aufzuhalten, erzeugt nicht nur Wohlbefinden und Entspannung, oder vermittelt gar ein Urlaubsgefühl, sondern dient dazu, älteren und vor allem dementen Menschen durch ein direktes Ausprobieren und Erleben ihrer fünf Sinne die Welt der Wahrnehmung wieder neu zu erschließen.

 

Seinen Ursprung nahm der Sinnesraum als Ort der Ruhe und Entspannung für geistig behinderte Menschen. Er wurde jedoch mehr und mehr als ein wertvolles Tool in der Arbeit mit alten und dementen Menschen entdeckt. Mittlerweile ist bekannt, dass gerade bei dementen Menschen eine Anregung der Sinne gut funktioniert und sie dadurch schrittweise wieder zu einer besseren Wahrnehmung ihrer Umgebung und damit zu einem positiveren Lebensgefühl gelangen können. Angenehme Erinnerungen werden geweckt, dadurch fühlen sich die Senioren körperlich wohler oder einfach entspannter. In Begleitung eines speziell ausgebildeten Therapeuten oder Betreuers wird der Sinnesraum in „therapeutischer Dosierung“ besucht.

 

Behutsam wird der Klient - oft an der Hand des Therapeuten - im Raum herum geführt, damit er in aller Ruhe die Eindrücke auf sich wirken lassen kann. Gemeinsam wird erkundet, was der Raum aufregendes zu bieten hat. Die Nähe und Zuwendung des Therapeuten hat ebenfalls einen wichtigen Einfluss auf das Wohlbefinden des alten Menschen und vermittelt ihm ein Gefühl der Sicherheit. Durch bekannte Gerüche, Klänge und visuelle Reize wiederum wird der alte Mensch in einen ihm vertrauten Lebensbereich „zurück versetzt“, er kann so, zumindest kurzzeitig, seine Sorgen vergessen, dadurch werden Belastungen reduziert.

Schon nach wenigen Besuchs-Einheiten kann eine sichtbare Beruhigung, Zufriedenheit und Entspannung bei den Klienten festgestellt werden. Gesichtsausdruck und Körperhaltung verändern sich, Konzentration, Merkfähigkeit und Erinnerungsvermögen werden merklich verbessert.

Nicht zuletzt dient der Sinnesraum auch dem Personal als wertvolles Time Out und fördert ein entspanntes Arbeitsklima.

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