Pflegekräftemangel Pflegekräftemangel
03/09/2013 07:29 Keine Kommentare


Ist die Lücke an Arbeitskräften in Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen bereits enorm, so ist sie im Bereich der Altenbetreuung und –pflege geradezu dramatisch.

Die Schätzungen variieren zurzeit zwischen 10.000 und 30.000 fehlenden Arbeitskräften, alleine im Altenpflegebereich. Die Prognosen, hochgerechnet auf das Jahr 2030, sind schlichtweg alarmierend. Bis dahin sollen rund eine halbe Million Pflegekräfte am deutschen Arbeitsmarkt fehlen, sollten sich die Rahmenbedingungen nicht ändern.

Besonders ausgeprägt ist der Mangel an Fachkräften in den deutschen Randlagen im Osten, wie im Westen. Der Westen (Rheinland-Pfalz) weist eine besonders starke Zunahme der Bevölkerungsgruppe über 65 auf. Die Nachfrage nach Pflegeleistungen und daher ein stark wachsender Bedarf an Pflegekräften sind die Konsequenzen hieraus.

 

Was sind nun die Gründe für eine derart ungünstige Entwicklung? Politiker, Marktforscher und Wirtschaftsexperten haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt und sind zu folgenden Schlüssen gekommen:

 

Zum einen ist der Berufswechsel in Gesundheits- und Pflegeberufen aufgrund unattraktiver Arbeitsbedingungen extrem hoch. Zu lange Dienste, besonders in Pflegeberufen schlechte Bezahlung und damit geringe Wertschätzung der Tätigkeit sowie physisch und psychisch hohe Belastungen lassen Fachkräfte nach einer vergleichsweise kurzen Dauer das Handtuch werfen und in weniger anstrengende und besser bezahlte Berufe abwandern.

 

Als weiterer wesentlicher Faktor für den drohenden personellen Engpass am Pflegesektor wird die ungünstige demografische Entwicklung genannt. Der überproportional ansteigende Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölkerung zieht einen ebensolchen Bedarf an Pflegekräften nach sich. Denn, wo es viele alte Menschen gibt, gibt es auch viele Kranke und Pflegebedürftige.

 

Was sind nun die Strategien von Politik und Arbeitsmarkt, um die Situation im Bereich Pflege zu entschärfen?

 

Verschiedene Modelle werden angedacht, von einer Erhöhung der Vollzeitstellen bis hin zum „Import“ von Arbeitskräften aus dem Ausland.

Bereits im Jahr 2013 soll die Finanzierung einer 3-jährigen Umschulung von Arbeitslosen zu Alten- und Krankenpflegern durch die Bundesagentur für Arbeit anlaufen. Mit dieser Maßnahme einer fundierten und finanzierten Ausbildung will man mehr Menschen für Pflegeberufe gewinnen.

Die Bundesagentur für Arbeit überlegt weiters die fehlenden Fachkräfte im Ausland zu rekrutieren. Der Fokus liegt dabei auf China und den Philippinen, da der europäische Markt dem hohen Bedarf nicht gerecht werden kann. Trotz EU-Freizügigkeit, d.h. eines vereinfachten Zugangs zum deutschen Arbeitsmarkt für Menschen aus Ost- und Südeuropa, kommen aus diesen Regionen nur wenige Fachkräfte nach Deutschland. Die Lebenshaltungskosten seien zu hoch und die Bezahlung nicht entsprechend. Fehlende Deutschkenntnisse sind ein weiteres Hindernis.

Neben konkreten Maßnahmen am arbeitsmarktpolitischen Sektor gibt es eine Vielzahl von Ideen, die Arbeit im Pflegebereich in Hinkunft attraktiver zu gestalten.

Es wird empfohlen höhere Löhne zu zahlen, um den Wettbewerb um die Fachkräfte zu gewinnen, Pflegende sollen psychologisch unterstützt werden, um die hohe Fluktuation aufzufangen und junge Menschen sollen für eine Tätigkeit im psychosozialen Bereich begeistert werden.

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