Einschränkungen in Pflegeeinrichtungen Einschränkungen in Pflegeeinrichtungen
16/10/2013 13:31 Keine Kommentare


Wir sind der Frage nachgegangen, inwieweit gängige Abläufe, Maßnahmen und Handlungen in Pflegeeinrichtungen, die der Standardisierung von Pflegemaßnahmen und der Strukturierung des Tagesablaufes dienen, das Leben der Bewohner/innen beeinträchtigen. Mitunter können Heimvorschriften und Pflegehandlungen massiv in die persönliche und private Sphäre des Patienten eingreifen und starke Einschränkungen des bisher gewohnten Lebens mit sich bringen - bis hin zu entmündigenden Handlungen. Vieles davon ist den Planenden und Ausführenden jedoch nicht bewusst. Zudem werden Sicherheits- und Hygienestandards oft über die individuellen Bedürfnissen des Einzelnen gestellt.

 

Neben den Verantwortlichen der Einrichtungen sind - unserer Meinung nach - besonders die Familien aufgerufen, genau hinzusehen, wie ihre Angehörigen behandelt werden. Alten Menschen ein sicheres Gesprächsklima und ein Umfeld der Geborgenheit zu bieten, ihnen zuzuhören (und sie ernst zu nehmen!), sich dafür zu interessieren, wie es ihnen in den Pflegeeinrichtungen ergeht und was sie dort erleben, sollte in Familien selbstverständlich sein. Nur so können Missstände rechtzeitig erkannt und bestehende destruktive Zustände verändert werden. 

Nachfolgend möchten wir ein paar Beispiele bringen, von denen wir glauben, eine Sensibilisierung bei den Pflegeexperten aber auch bei den Angehörigen der in Pflegeeinrichtungen untergebrachten älteren Menschen zu erreichen. Viele der Maßnahmen sind unabdingbar für Sicherheit und Gesundheit des alten Menschen. Oder etwa nicht? Machen Sie sich anhand der folgenden Beispiele selbst ein Bild!

 

Frau P., 87, liebt Friseurbesuche bei einem Friseur in der näheren Umgebung, die sie jedoch aus Angst zunehmend unterlässt. Zweimal wurde sie bereits vom Personal des Speisesaals gerügt, weil sie ein paar Minuten zu spät zum Mittagessen gekommen war und dadurch den zeitlichen Ablauf gestört hatte.

 

Frau M., 78, ist es gewohnt, zum Essen ein Glas Bier zu trinken. Ohne medizinische Indikation wird ihr aus vorgeblich gesundheitlichen Gründen der Alkohol verboten.

 

Herr Z., 75, ist handwerklich sehr geschickt und bastelt gerne. Da das Personal des Pflegeheims, in dem er nun lebt, beim Hantieren mit Hammer und Nägeln Verletzungsgefahr sieht, darf Herr Z. sein Hobby nicht mehr ausüben.

 

Frau T., 82, kommt nach einem Schlaganfall ins Heim. Sie darf ihren Hund, mit dem sie seit vielen Jahren zusammenlebt, nicht mitnehmen, obwohl die Betreuung des Tieres geregelt ist und aus medizinischen Gründen kein Einwand besteht. Die Mitnahme von Tieren ist in diesem Heim aus hygienischen Gründen nicht gestattet.

 

Frau S., 87, rüstige Bewohnerin eines Altenheimes, besucht gerne die Konditorei im Ort. Aus Angst, wegen eines Unfalles zur Verantwortung gezogen zu werden, ordnet die Heimleitung an, dass dieBewohner/innen nur in Begleitung das Haus verlassen dürfen. Frau S. kann keine Begleitung organisieren und muss daher auf ihren Konditoreibesuch verzichten.

 

Herr B., 81, möchte gerne spät in der Nacht fernsehen, da erst dann für ihn interessante Sendungen gezeigt werden. Er war früher im Nachtdienst tätig und ist das späte Schlafengehen gewöhnt. Da er aber auf die Hilfe der Nachtschwester angewiesen ist, verzichtet er darauf, weil er denkt, dass sie überlastet ist.

 

Wie würden Sie sich, verehrte Leserinnen und Leser, unter solchen Bedingungen fühlen?

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