Einsamkeit im Alter Einsamkeit im Alter
17/07/2013 10:18 Keine Kommentare


Das Deutsche Zentrum für Altersfragen (DZA) lässt in seiner neusten Studie durch erschreckende Zahlen aufhorchen.

Jeder fünfte Deutsche über 70 Jahren hat demnach keine oder nur noch eine feste Bezugsperson, jeder Vierte seltener als einmal im Monat Besuch von Freunden oder Bekannten, beinahe jeder Zehnte trifft überhaupt niemanden mehr. Anders ausgedrückt: 40% der Senioren leben alleine, bei den über 75 jährigen Frauen sind es bereits 60%.

 

Die Gründe dafür sind vielfältig: Tod des Ehepartners oder Scheidung, nachlassende Gesundheit, berufstätige Kinder, die weit entfernt wohnen oder auch Kinderlosigkeit. Vor allem in Großstädten vereinsamen alte Menschen zunehmend. In anderen europäischen Ländern stellt sich die Situation durchaus ähnlich dar. Prognosen für das Jahr 2060 sprechen zudem von einem Drittel der EU-Bevölkerung über 65 Jahren. Diese Zahlen sind alarmierend und die Thematik beschäftigt mittlerweile auch die Politik und ist in den Medien gegenwärtig.

 

Viele Menschen verlieren mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, neue soziale Kontakte zu knüpfen. Wurden diese in Schule, Beruf oder Familie praktisch automatisch „mitgeliefert“, fallen viele Beziehungen aus natürlichen Gründen mit dem Älterwerden weg. Es kommt zu der für die westliche Gesellschaft typischen Altersvereinsamung.

 

Einsamkeit belastet Körper, Geist und Seele. Die Häufigkeit physischer und psychischer Leiden steigt in dieser Lebensphase sprunghaft an. Der Hausarzt wird oft zur einzigen Bezugsperson, wo der alte Mensch Ansprache findet und jemanden, der ihm zuhört. Zieht man in Betracht, dass soziale Kontakte der beste Weg für ältere Menschen sind, um möglichst lange unabhängig zu bleiben und ein selbst bestimmtes Leben zu führen, ist Handlungsbedarf gegeben. Vor allem in einer Gesellschaft, deren Bürger immer älter und somit immer einsamer werden. Um es mit den Worten des österreichischen Schriftstellers Alfred Polgar auszudrücken: „Wenn dich alles verlassen hat, kommt das Alleinsein. Wenn du alles verlassen hast, kommt die Einsamkeit“.

 

Polgars Worte implizieren - was sich im Übrigen mit psychologischen Studien deckt - dass Einsamkeit und Alleinsein nicht notwendigerweise dasselbe sind. Nicht jeder Mensch, der alleine lebt, ist einsam und nicht jeder, der sich einsam fühlt lebt alleine. Weiters muss zwischen emotionaler Einsamkeit - z.B. durch den Tod des Partners (der Betroffene kann jedoch ein großes Netzwerk und einen intakten Freundeskreis haben, die es ihm nach einer Phase der Trauer ermöglichen, zu heilen und wieder am Leben teil zu nehmen) sowie sozialer Einsamkeit, die letztlich in Rückzug und kompletter Isolation endet - unterschieden werden.

 

Was kann Senioren helfen, der Einsamkeit zu entkommen, aktiver am Leben teil zu nehmen, glücklicher und gesünder zu bleiben? Der Besuch eines Seniorenclubs oder einer Tagesstätte sowie speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnittene Programme eröffnen neue Perspektiven, wecken Interesse an z. B. kreativer Betätigung und schaffen die Möglichkeit andere Menschen kennen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen. Psychotherapie kann helfen, das Selbstvertrauen zu stärken, offener zu werden und dem Leben wieder einen Sinn zu geben. Ehrenamtliches Engagement in einer Institution, wie beispielsweise dem Roten Kreuz, erzeugt ein Gefühl der Zufriedenheit und des „Gebraucht-Werdens“ – und hilft auch anderen.

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