Ageismus - Altersdiskriminierung Ageismus - Altersdiskriminierung
16/10/2013 13:29 Keine Kommentare


Ageismus, zu Deutsch „Altersdiskriminierung“, tritt in vielfältigster Weise in Erscheinung. Ob die Teilnahme am Literaturwettbewerb mit 35 Jahren oder das Blutspenden mit 70 Jahren zu Ende ist, ist dabei fast Nebensache. Selbst der Fall, den Bezug einer Seniorenwohnung mit einem Alterslimit von 74 Jahren zu begrenzen, ist bekannt. Ebenso fallen Limitierungen bei Künstlerstipendien, Uni Zugang und Kandidatur zur Bürgermeisterwahl in diese Kategorie. Wenden wir uns nun aber von diesen etwas ausgefallenen Beispielen jenen zu, die uns Tag für Tag, oft unbemerkt, begeleiten.

Versuchen wir es zu Beginn mit einer Definition und sehen wir uns an, wie es zu dieser seltsamen, besonders in westlichen Gesellschaften verbreiteten, ablehnenden Haltung älteren Menschen gegenüber kommt.

 

Geprägt wurde der Begriff Ageism erstmals von dem Gerontologen Robert N. Butler, der 1969 in der Zeitschrift „The Gerontologist“ von Vorurteilen der jüngeren und mittleren Generation gegenüber den Älteren spricht. Er führte dies auf Ängste in Bezug auf das eigene Altern zurück, die ihren Ausdruck in der Ablehnung alter Menschen und alles was diese verkörpern, wie nachlassende Fähigkeiten, Schwäche und Einschränkungen aller Art, finden. Heute definieren wir Ageismus als Altersfeindlichkeit, als eine Form sozialer und ökonomischer Diskriminierung, die sich in einer negativen Wahrnehmung des Alters niederschlägt und auf Basis dieser Wahrnehmung den Alterungsprozess, das Altsein und damit die davon betroffene Bevölkerungsgruppe stigmatisiert. (Def.)

 

In unserer Gesellschaft gelten diejenigen als „wertvoll“, die stark und gesund sind, etwas leisten können und der Gesellschaft „etwas bringen“. Mit Schwäche, Alter, Vergänglichkeit und Verlust setzen wir uns nicht gerne auseinander und es passt nicht zu unserem ökonomischen Modell. Die Diskriminierung älterer Menschen beginnt jedoch nicht erst bei Taten und Handlungen, sondern ist vor allem eine innere Haltung, erkennbar bereits im sprachlichen Bereich: „Die Alten leben auf Kosten der Jungen“, oder, wie als Graffito auf der Wand eines Altenheims zu lesen stand: „Wer zu lange lebt, stört“.

 

Aussprüche dieser Art tragen maßgeblich zu einer negativen Sichtweise alter Menschen in der Gesellschaft bei, schüren Gefühle von Altersfeindlichkeit und können selbst zu einer Änderung unseres Sprachverständnisses führen. Die ursprünglich positiv besetzten Begriffe „alt“ oder „Alter“, drohen - leider auch in der Diktion des politischen Diskurses („Überalterung, ungünstige demografische Entwicklung“ etc.) - negativen Assoziationen zu weichen und die Wahrnehmung älterer Menschen durch die Gesellschaft maßgeblich zu verändern.

 

Noch abwertender sind Ausdrücke wie die bereits 1996 geprägte „Rentnerschwemme“, die ein gewisses Bedrohungsgefühl beim Leser auslöst, sowie das „sozialverträgliche Frühableben“, oder die Reduzierung der Alten auf eine „ökonomische Belastung“, die eindeutig von Verachtung alter Menschen zeugen. Die Tatsache, dass eben diese Menschen ein Leben lang hart gearbeitet und in die Kassen eingezahlt haben, wird dabei schlichtweg ignoriert.

Vielleicht sollten wir an diesem Punkt kurz innehalten und darüber nachdenken, wie es uns und unseren Lieben wenn uns das Alter ereilt, einmal ergehen wird? 

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