Sucht im Alter Sucht im Alter
02/09/2013 12:35 Keine Kommentare


Sucht im Alter ist ein Thema, das in unserer Gesellschaft lange Zeit keinen Platz hatte. Es wurde verharmlost, sogar tabuisiert oder schlichtweg übersehen. Klassisches Suchtverhalten wurde bislang mit jungen orientierungslosen Menschen, vielleicht auch noch mit gestressten Managern, die gerne mal zur Flasche greifen oder sich mit Modedrogen zu noch mehr Leistung pushen, in Verbindung gebracht, nicht jedoch mit alten Menschen. Kein Wunder, dass es weder in der Prävention noch in der Therapie ein Augenmerk auf diese Zielgruppe gab. Sieht man sich aber die Zahlen aktueller Studien im deutschsprachigen Raum näher an, so zeigen diese eine alarmierende Tendenz auf.

 

In der Schweiz hat, laut aktueller Studien, jede zehnte Person über 65 eine Abhängigkeit entwickelt, oft sogar erst im Alter.

Laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) weisen fünf bis zehn Prozent der Senioren einen problematischen Gebrauch von Psychopharmaka mit Abhängigkeitspotential auf. Die Dunkelziffer dürfte noch um einiges höher liegen.

 

Hinzu kommt die demografische Entwicklung der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Sehen wir uns dies am Beispiel Österreichs etwas genauer an:

Derzeit sind 23 Prozent der österreichischen Bevölkerung 60 und mehr Jahre alt, mittelfristig (2020) werden es rund 26 Prozent sein, langfristig (2030) sogar über 30 Prozent.

 

Rund 50 Prozent der 60–70-Jährigen trinken regelmäßig Alkohol. Auf die Geschlechter verteilt sehen die Zahlen für diese Altersgruppe folgendermaßen aus: Schädlicher Alkoholkonsum liegt bei 10 bis 20 Prozent der Männer und 5 bis 10 Prozent der Frauen vor. Bis zu einer echten Abhängigkeit ist es dann oft nur mehr ein kleiner Schritt. In Altenwohn- und Pflegeeinrichtungen ist die Zahl der alkoholabhängigen Personen deutlich höher. (Auch die Abhängigkeit von Psychopharmaka ist bei institutionalisierten Personen wesentlich höher).

 

Das Argument, dass sich „Therapie für ältere Menschen nicht mehr auszahle“ wird angesichts des stetig steigenden Anteils alter Menschen an der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahren und der hohen Folgekosten suchtkranker Menschen, relativiert.

Aufgrund physiologischer Veränderungen im Alter ist die Toleranz für Suchtmittel bei Menschen über 60 herabgesetzt und die Folgen gravierender als bei jüngeren Süchtigen.

Gerade aber ältere Menschen konsumieren Alkohol, Medikamente und Nikotin oft in zu hohen Mengen.

 

Es beginnt mit der Einnahme eines leichten Schlafmittels, vielleicht sogar in Kombination mit einem Schmerzmittel. Nicht nur muss nach einiger Zeit die Dosis gesteigert werden, um die gleiche Wirksamkeit zu erzielen, es kann auch zu Wechsel- und Nebenwirkung kommen. Diese können allerdings Zustände hervor rufen, wie sie durch den Genuss von Drogen entstehen.

Oder es fängt ganz harmlos mit einem Gläschen Wein am Abend zur Entspannung an. Neben Medikamenten auch das eine Substanz, auf die man schon bald nicht mehr verzichten kann.

 

Ältere Menschen sind besonders gefährdet einer Sucht anheim zu fallen, da sie oft das Gefühl der Wertlosigkeit und des Verlustes empfinden. 

Um Abhilfe zuschaffen, ist es ratsam, rechtzeitig mit Präventionsmaßnahmen in Form unterschiedlichster Therapien zu beginnen.

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