Demenz verstehen Demenz verstehen
17/07/2013 10:15 Keine Kommentare


Eine geradezu revolutionäre Sichtweise und damit einen neuen Ansatz im Umgang mit desorientierten alten Menschen haben wir der renommierten amerikanischen Gerontologin Naomi Feil zu verdanken.

 

Naomi Feil (geboren1932 in München), begann bereits als Kind, im Montefiori-Altersheim in Cleveland / Ohio, alte Menschen zu beobachten und daraus ihre Schlüsse zu ziehen. Nach einem Studium der Sozialwissenschaften entwickelte sie in den 1970er Jahren ihre eigene Methode und nannte sie „Validation“. Anerkennen was ist. Sie ist noch heute, trotz ihres hohen Alters in der ganzen Welt unterwegs und lehrt und begeistert unzählige Menschen mit ihrer mitreißenden Art und respektvollen Methode, alte Menschen zu begleiten und ihnen in ihrer letzten Lebensphase mit Würde zu begegnen.

 

Wir wollen Ihnen nun ein paar ihrer wesentlichen Punkte zum besseren Verständnis alter Menschen mit Demenz oder Alzheimer näher bringen. Vor allem wenn Sie in der Rolle des Betreuenden oder Angehörigen sind, kann dies hilfreich sein, Sie in Ihrer Arbeit unterstützen und eine gewisse Entlastung mit sich bringen.

Der Tenor Frau Feils Arbeit ist, alten Menschen in ihrer Welt zu begegnen, sie zu unterstützen und ihnen in ihrer letzten Lebensphase dabei zu helfen, IHRE Ziele zu erreichen, nicht die unseren. Jedenfalls nicht das, was unserer Vorstellung nach ein alter Mensch in unserer Gesellschaft noch zu „leisten“ hat. Dies beginnt bei Gedächtnisleistungen und einer gewissen in unserer rationalen Welt herrschenden „Logik“ führt über das Einhalten von Zeitrahmen und endet bei „Benehmen“, Körperpflege und Tischmanieren.

 

Validation beruht auf folgenden Schwerpunkten:

Die Lebensumstände des desorientierten Menschen werden akzeptiert, sein „Lebenswerk“ wird respektiert und gewürdigt. Der Mensch wird so akzeptiert, wie er ist. Es wird nicht versucht, ihn zu „verbessern“ oder zu verändern (z.B. er / sie muss Uhrzeit und Tag wiedergeben können). Seine persönliche „Weisheit des Alters“ wird respektiert. In der Arbeit mit sehr alten desorientierten Menschen wird versucht, deren Gefühle zu ergründen, ihre Handlungsweisen zu verstehen und sie im günstigsten Fall mit Unterstützung des Pflegepersonals / des Therapeuten, zu einer Lösung zu bringen, die dem Menschen ermöglicht sein Leben in Frieden zu beschließen.    

Validation ist auch dazu da, um Pflegende in ihrem Umgang mit alten, desorientierten Menschen zu unterstützen, die z.B. ihren Gefühlen freien Lauf lassen und sich nicht mehr nach „unseren Maßstäben“ verhalten.

 

Dazu ein kurzes Beispiel, wiedergegeben aus dem Buch: „Validation“ von Naomi Feil und Vicki de Klerk-Rubin: „Frau X., lebt in einem Altenheim. Sie beschuldigt das Pflegepersonal, ihren Schmuck, insbesondere ihren Ehering zu stehlen. Ihr Verhalten ist unruhig und aggressiv. Zufällig beobachtet eine Therapeutin den Vorfall und stellt fest, dass Frau X selbst ihren Ehering in den Mülleimer wirft. Sie arbeitet mit Frau X in der Therapie, es wird bald klar, dass Frau X nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes keine Möglichkeit zum Trauern fand und diesen Schmerz nie verwunden hatte. Durch ihr Verhalten (das Wegwerfen des Ringes), drückte sie ihren Schmerz aus. Nach erfolgreicher Auflösung in der Therapie hören sowohl das Wegwerfen des Ringes als auch ihre Angriffe auf das Personal auf. Frau X hat ihren Frieden gefunden.

 

Validation ist eine in der Altenarbeit anerkannte Methodik die auch in Deutschland praktiziert wird. Es gibt landesweit Institutionen, die nach Naomi Feils Grundsätzen arbeiten. 

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